Montag, 26. Mai 2014

Es ist der 26.Mai und ich bin mal wieder in Shiraz. Der Z und mir geht es blendend!!! Und hey, ich weiß auch nicht was mit dem Internetfilter passiert ist :P Pedro you hero!!
Hier ein erstes Update seit meinem letzten Eintrag…


12. – 15. April Tage phänomenaler Begegnungen 

Aus Van geht es erstmal los nach Norden an der Küste entlang bis die Straße sich ins Inland und hoch in die Berge schlängelt. Ein Atemberaubender Blick nach dem anderen. Ein kleiner Junge steht am Straßenrand. Er ist sichtlich unbeeindruckt, dass seine Schafe überall auf der Straße herumlaufen. Ich gehe vom Gas, fahre langsam vorbei und grüße ihn. Er sieht mich kurz an, holt aus und schleudert einen faustgroßen Stein in meine Richtung! Gott sei Dank trifft er nur meinen Koffer. Ich will mir gar nicht vorstellen was hätte passieren können wenn der Stein mir in die Speichen geflogen wäre.


Nein, das ist kein pixelfehler :-)
Ararat! Was ein Anblick! Der gewaltige Berg erhebt sich mit knapp 4000m Höhenunterschied aus einer Ebene die von kleinen Dörfern und Nomadenzelte gesäumt ist. So kommt seine Größe zur vollen Geltung. Ich fahre bis in die Stadt Dogoubayerzit am Fuße der Bergs. Auf einem Hotelparkplatz treffe ich zufällig die vier Schweizer Michel, André, Jean-Luc und Thierry die auf dem Weg in die Mongolei sind und hier übernachten wollen. Nur zwei von ihnen sprechen Englisch, sonst nur Französisch. Wir verbringen den Abend zusammen und Thierry hat sogar eine Ukulele dabei!! :D 



Einigermaßen ausgeschlafen gehen wir am nächsten Morgen gemeinsam den Grenzübertritt an. Fünf Stunden und einige hartnäckige „Helfer“, Geldwechsler, Versicherungsverkäufer, Führer, usw. später sind wir endlich im Iran! Es ist auch schon 17:00 Uhr (aus der Türkei +1:30). Die Schweizer nehmen direkt in Bazergan, die Grenzstadt, ein Hotel. Ich will heute noch bis Khoy fahren etwa 150km entfernt. Es geht langsam wieder Bergab. Die Schneeberge rücken weiter in die Ferne und die Landschaft wird mit jedem Kilometer etwas grüner. Ich fahre auf der Hauptstraße hinein in die Stadt. Ein Auto überholt mich. Aus dem Innern winkt mir ein junges Mädchen zu und lacht. Sie dreht sich nach vorn und ruft ihrer Mutter und Schwester etwas zu. Die Mutter lächelt mir freundlich zu, hupt zweimal, zieht scharf vor mir auf meine Spur und Bremst! Ich kann grade noch ausweichen und komme neben ihnen zum halten. Wo ich herkomme und wie ich heiße will die Mutter wissen und lässt ihre Tochter im gebrochenen Englisch übersetzen. Nach ein paar Minuten Smalltalk erkundige ich mich nach einem Hotel oder Herberge. Sie nickt mir zu und signalisiert mir ihr zu folgen. Es geht gut 15 Minuten kreuz und quer durch die Stadt. Hier im Iran haben sich mittlerweile alle von jeglichen Verkehrsregeln verabschiedet. Selbs der Gegenverkehr hat bei Überholmanövern nicht zwingend vorfahrt! Wir halten in einer winzigen Gasse. Das Mädchen steigt aus, führt mich um die Ecke in eine kleine mit Ersatz- und Altteilen vollgestopfte Motorradwerkstadt. Sie dreht sich um und sagt voller Stolz: „ my shop!“. „Bia Berim“ sagt sie und läuft an mir vorbei nach draußen. Als ich wieder raus auf die Straße komme sitzt sie schon auf einer kleinen Honda 125ccm mit ihrer Schwester hinten drauf und winkt „come, come!“ Ich folge ihr bis nach hause wo ihr Vater schon wartet. Ich soll rein kommen und mich setzen. Tee und Früchte werden mir vorgelegt und der Vater setzt sich mit einem Fotoalbum neben mich. Er zeigt mir Bilder von Cross-Motorrädern, Rennen, Siegerehrungen, und und und… Dabei deutet er immer wieder auf mich und seine 15 jährige Tochter. Ich komme gar nicht aus dem Staunen mehr raus. Wie sich rausstellt ist er iranischer Cross-Champion in der 250ccm-, und sie in der 125ccm-Klasse.

Im laufe des Abends treffe ich vier Onkel, drei Tanten, 5 Cousinen, einen Cousin und die Nachbarin. Es wird gegessen, gelacht, gestritten, getanzt und gesungen. Um 02:00 Uhr morgens komme ich vollkommen erschöpft und überwältigt ins Bett. Die Mutter hatte mir kurz vorher ein Bett im Schlafzimmer präsentiert, sagte irgendwas von wegen „Hotel“ und lacht laut. Genau verstanden habe ich es nicht aber der Sarkasmus war eindeutig.


 Den nächsten Tag verbringen wir im Park, bei der Oma und bei diversen Motorradwerkstätten dessen Besitzer, Angestellte, Kunden und Freunde alle mein Motorrad inspizieren und laut diskutieren. Dann die Frage, die ich jedes Mal gestellt bekomme: „how much?“. Jetzt ist es 22:00 Uhr. Ich sitze mit meinem Laptop im Wohnzimmer auf einem der sieben Sessel (ja sieben… aber keine Sorge, es gibt noch vier Sofas), die Mutter ist am telefonieren in der Küche, Elnaz (die ältere Tochter, 15) macht auf dem Wohnzimmerteppich ihre Hausaufgaben, der Onkel macht ein Nickerchen und Sabil (7) wirbelt wie immer energiegeladen und breit grinsend durch die Gegend.
Ich möchte am nächsten Morgen los nach Teheran. Elnaz überredet mich allerdings mit ihren Vater in die 150km entfernte Stadt „Urmia“ zu fahren. „You must see. You like. My father happy. You back in tree hour. Help yourself! “ Zwei Stunden später haben wir allerdings erst die Pflichtstopps erledigt: Eine Tasse Chai bei der Oma, noch zwei in seiner Werkstadt, dann noch Chips, Wasser und Tochme in 3 verschiedenen Läden eingekauft und abschließend einen Abstecher ins Polizeipräsidium zum Onkel um sicher zu gehen, dass wir die strecke auch ohne Zwischenfälle mit 180km/h durchbrettern können. Kurz vor Urmia biegen wir auf einen kleinen schotterparkplatz ab und halten vor den streng bewachten Toren eines großen Anwesens. Der Vater steigt aus lehnt sich noch einmal ins Auto, signalisiert mir zu warten und hebt lässig zwei Finger. Da verschwindet er auch schon durch den Checkpoint. Nach einer halben Stunde dämmerte es mir, dass er wohl eher zwanzig und nicht zwei Minuten gemeint hat… eine Stunde später habe ich mich schon mit dem Gedanken angefreundet, dass es wohl zwei Stunden werden. Nach vier Stunden war ich mir schon ernsthaft am überlegen ob er eventuell zwei Tage gemeint hat, da fliegt die Tür auf und er schwingt sich sichtlich angespannt und aufgeregt ins Auto. Nach einem flüchtigen „Khubi?“ sind wir schon wieder auf der Hauptstraße Richtung Khoy. Ich werde wohl nie erfahren was er dort gemacht hat und zu welchen zweck er mich mitgenommen hat…
 In den folgenden zwei Tagen geht es eher unspektakulär über 1100km Autobahn nach Teheran. Am Abend des 18. April wird mein Vater Landen und morgen dann meine Schwester!!!                                                                                        

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